4 Glaubenssätze und deren Wirkung

Was sie in uns ermöglichen, verhindern und wie ein Perspektivenwechsel gelingt. Und ein Angebot.

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Wie entsteht ein Glaubenssatz?

Glaubenssätze sind Überzeugungen, die wir bereits von Lebensbeginn an verinnerlichen. Wir lernen sie als Babies durch die Blicke, Handlungen und Worte unserer Eltern. Später verstärken oder relativieren sie sich durch Worte und Taten unserer Familie, nahen Bezugspersonen und Freunde. Als Kinder sind wir noch nicht in der Lage zu erkennen, ob ein Glaubenssatz positiv oder schlecht für uns ist. Wir übernehmen sie, weil wir die Menschen, von denen wir sie lernen, lieben und ihnen blind vertrauen. So machen das Kinder. So ist es also wunderbar zu lernen, du bist gut genug so wie du bist und so ist es beschwerlicher, wenn wir lernen, dass wir es unseren Eltern nie recht machen können. Zwei beispielhaft sehr konträre Grundeinstellungen, die wiederum unsere Haltung uns selbst, dem Leben und anderen Menschen gegenüber in vielfacher Hinsicht prägen.

Sind wir nun für immer an Glaubenssätze gebunden?

Gerade weil Glaubenssätze intuitiv verinnerlicht werden, ist es manchmal gar nicht so leicht, ihnen auf die Schliche zu kommen. Aber das geht und wir haben das Glück, dass unser Gehirn sehr schlau und veränderungsfähig ist und damit sind es auch unsere Glaubenssätze. Was wir uns vorstellen, dass interpretiert unser Gehirn als Realität. Wir können deshalb alt eingefahrene Autobahnen langsam, aber mit Erfolg verlassen. Das können wir uns heute zu Nutze machen. Deshalb sind unsere Glaubenssätze und deren Wirkung zwar nicht verschwunden, aber wir können wählen, ob wir darin hängenbleiben. Indem wir uns für eine Alternative entscheiden, legen wir neue Bahnen in unserem Gehirn an. Je nachdem wie oft wir diese nutzen, werden aus schmalen Trampelpfaden auch Strassen. Diese Veränderungsmöglichkeit finde ich ganz großartig. Perspektivenwechsel tut einfach gut.

Wieso ermöglichen UND verhindern Glaubenssätze etwas in uns?

Kein Licht ohne Schatten. Kein Tag ohne Nacht. Kein Glaubenssatz, der nicht sowohl einen Nutzen als auch etwas Hinderliches in sich birgt. Das mag erst etwas paradox erscheinen, ist bei genauerem Hinsehen jedoch einleuchtend. Schauen wir uns ein paar Glaubenssätze an. Was ermöglichen, was verhindern sie und wie könnt ihr lernen damit anders umzugehen?

Glaubenssatz # 1: Da kann man nichts machen!

Manchmal ist es von Nutzen zu erkennen: hier sind meine Möglichkeiten zu Ende, im JETZT mir bleibt nichts anderes übrig als das Gerade-eben-nicht-Veränderliche anzunehmen. In diesem Sinn schützt uns der Glaubenssatz ‚Da kann man nichts machen!‘ vor dem Kampf gegen Windmühlen und dem Auspowern an falscher Stelle. Aber nur, wenn wir ihn nicht immer nutzen.

Diesen Glaubenssatz in sich zu tragen, heißt leider sehr oft, nicht eigenverantwortlich für sein Leben entscheiden zu wollen. Denn: Wer ist man? Von wem wird gesprochen? Und was heisst: kann nicht? Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe. Grundsätzlich WOLLEN wir etwas oder eben nicht und danach können wir über das wie entscheiden. Lieber in der Opferrolle hängenbleiben, statt etwas zu bewegen. ‚Man‘ versteckt sich hinter der Allgemeinheit und gibt die Entscheidungsbefugnis ab.

Perspektivenwechsel: SO kann ich nichts ändern. Da wo ich JETZT bin, kann ich im Moment nichts ändern. Ich stehe zu meiner Entscheidung, gerade nichts ändern zu wollen und gehe dann wieder in die Initiative. Ich bin nicht in einer Opferrolle, die mir vielleicht vorgelebt wurde. Die ich aus Beobachtungen kenne? Die wie ein Damoklesschwert über meiner Familie hing? Wer Fragen stellt, findet Antworten und übernimmt VER-Antwortung. Für sich. Nicht ‚man‘.

Glaubenssatz #2: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Eines ist sicher: die Arbeit wird erledigt. Darauf ist Verlass. Daraus entsteht Stolz, Zufriedenheit, äussere Anerkennung und auch inneres Glücksgefühl. Es tut ja auch wirklich gut zu wissen: die Aufgaben sind erledigt. Haken dran. Und manchmal ist das auch wichtig. Es gibt Situationen in denen gibt es viel zu tun, da hilft es hartnäckig dran zu bleiben. An dieser Stelle unterstützt der Glaubenssatz etwas durchzuziehen und sich danach etwas zu gönnen.

Und was ist, wenn die äußere Anerkennung mal nicht kommt? Wird dann noch mehr geschuftet? Und dann? Das alles erlaubt er nämlich nicht, dieser Glaubenssatz: Müßiggang, Nichtstun ohne schlechtem Gewissen, die Seele baumeln lassen – ohne vorher geschuftet zu haben … Gemütlich Kaffee zu trinken, ohne vorher alles aufgeräumt zu haben. Gemütlich geht dann auch gar nicht mehr richtig, weil entweder die Erschöpfung oder die nächste Aufgabe auf der Todo-Liste warten. Er ist also ein wunderbarer Genussverderber, dieser Glaubenssatz, und legt eine schier unüberwindbar hohe Messlatte.

Nicht nur, aber gerade die Generation Y stellt es in Frage: Das Schuften ohne Freude, das Leben ohne Sinn und Sinnlichkeit, die Messlatte, ohne sie selbst legen zu können. Und es wird bei genauerem Hinschauen klar, wieviel dieser Glaubenssatz über die eigene Familie hinaus bis in die gesellschaftlichen Nachwirkungen des 2. Weltkrieges zurückzuführen ist: Arbeiten, um zu vergessen, Schuften, um etwas wieder gut zu machen, Ackern, um etwas Wert zu sein, bei all der moralischen Last. Vergeben wir unseren Großeltern, sie haben ihr Bestes getan damals um zu überleben. Heute dürfen wir anders handeln. Selbstbestimmt. Ihr findet den Vergleich gewagt, überzogen, irritierend? Es lohnt sich nachzulesen, zum Beispiel in dem beeindruckend klaren Buch von Sabine Bode: Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation

Glaubenssatz #3: Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen!

Ja Kinder verändern das Leben. Ja, wir werden bis zur Geburt eines Kindes wenig bis gar nicht darauf vorbereitet mit dieser Veränderung umzugehen. Ja, mit einem Kind machen sich zu Eltern gewordene Paare häufig ganz andere Gedanken und Sorgen als noch ohne Kind. Ja, mit der Zunahme der Komplexität des Lebens eines Kindes (von der Wiege bis zum Auszug) nehmen auch die Fragen rundum Lebensentscheidungen an Mannigfaltigkeit zu. Ja, alles wird anders mit einem Kind. Ja, manchmal nervt’s auch. Das Kind oder vielmehr das Gefühl der Hil- und Antwortlosigkeit in den Eltern. Diesen Glaubenssatz so realistisch zu betrachten, ist sehr wertvoll. Im Grunde ist ein Kind ein ganz besonderes Geschenk: es bringt neue Themen, Fragen, Sorgen in das Leben von Eltern, die sie ständig zur Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten, Handlungen und Gedanken bringt. Wirklich ein Geschenk. Und manchmal gehören dazu eben auch Sorgen. Große und Kleine.

Ist das denn das Einzige, was Kinder mit sich bringen? Sorgen? Sonst nichts? Was ist mit der Freude, dem Lachen, dem Schelmischen, der Wissbegierde, der Liebe, der Neugierde, dem Entdecken, dem absolut und unmittelbar authentischen Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen, dem kleinen Rohdiamant, der da geboren wurde und den wir glücklicherweise begleiten dürfen? Ja, die Themen werden mit zunehmendem Alter komplexer – und Eltern werden eben nicht aus der Verantwortung entlassen, diese zu begleiten. Das ist anstrengend, ja. So werden Eltern immer wieder dazu aufgefordert ihre Weltanschauung, ihre Überzeugungen, ihr Gefühl für , Ärger, Scham, Wut, Angst, Verzweiflung neu zu prüfen.   Immer wieder werden Eltern durch ihre Kinder dazu gebracht, zu wachsen und sich zu entwickeln. Perfekt, einfach perfekt. Danke, liebe Sorgen. Schön, dass ihr da seid.

Wie war das in eurer Kindheit: durftet ihr (in Maßen oder Unmaßen) sein wie ihr wollt oder wurdet ihr schnell zurückgepfiffen? Wurde in euch die Neugierde für die Welt geweckt oder habt ihr gelernt zu resignieren? Euch für eure Fragen, Träume und Wünsche zu schämen? Scham ist ein unglaublich starkes Gefühl. Und gehört nicht zu unseren Lieblingsgefühlen. Scham bedeutet, dass unsere innere Grenze verletzt wird. Und wenn das immer wieder passiert, ziehen wir uns vor dem zurück, was es verursacht. Und hören auf neugierig zu sein. Trauen uns nicht mehr raus. Oder beginnen andere zu beschämen. Weil wir den Zustand nicht ertragen. Welche Träume und Wünsche hattet ihr als Kinder? Und – gibt es heute etwas, das ihr von Herzen ausprobieren möchtet? Heute setzt ihr eure Grenzen und ihr schützt sie. Als erwachsene Menschen. Holt die Traumkiste raus und seid sorgenfrei.

Glaubenssatz #4: Egal, was ich mache, es ist falsch.

Ja, manchmal hockt man mitten drin: im Dilemma. Nichts geht vorwärts und rückwärts schon gar nicht. Dann ist es tatsächlich so, dass für dieses eine Thema, in dem wir feststecken, gerade keine Lösung in Sicht ist und egal was wir versuchen, es führt immer zum Ausgangspunkt zurück. Vielleicht heißt es dann warten und das Thema zurückstellen – denn es zeigt sich JETZT kein Weg. JETZT ist nicht der richtige Moment für Aktionismus. So wie ich es BISLANG probiert habe, hat es nicht funktioniert. Das anzuerkennen hat etwas Gutes für sich. Ein Hoch auf diesen Glaubenssatz. Innehalten und anerkennen. Und durchatmen.

Naja, bleiben wir in diesem Glaubenssatz hängen hat er fatale Folgen: Im Grunde stecken wir dann in einer permanenten Abwertung. Und diese erzeugen wir auch noch selbst. Eine ‚self fulfilling prophecy‘ mit niederschmetternder Wirkung in allen Lebensbereichen. Wir sind immer unzufrieden mit unserer eigenen Leistung, weil wir – ja was eigentlich: die Erwartungen aller anderen nicht erfüllen oder unserer eigenen? Nur mal zum besseren Verständnis: Wir können NIE + NIE ALLE Erwartungen unseres Umfeldes erfüllen. Auch wenn das absurd klingen mag. Das ist auch nicht unsere Lebensaufgabe. Und – trifft es denn wirklich auf alles zu? Gibt es keine einzige Ausnahme? Nicht mal eine klitzekleine?

Falls ihr diesen Glaubenssatz auch zu euren zählt: dankt ihm. Ihr könnt darüber hinauswachsen. Erstens: es ist nie alles falsch, was ihr tut. Zweitens: Es ist nie immer alles falsch, was ihr tut. Es ist und bleibt ein Los, mit diesem Glaubenssatz einen neuen Umgang zu lernen. Nehmt die Herausforderung an. Es lohnt sich. Ihr werdet erstaunt sein über euch selbst und das, was ihr doch alles könnt. Und Rückschläge? Die gehören dazu. Deshalb ist aber nicht immer alles falsch. Es seid denn, ihr wollt daran glauben.

Und jetzt – war da nicht noch die Rede von einem Angebot?

Richtig.

Habt ihr auch Glaubenssätze, die euch in der einen und anderen Situation (be)hindern, euer volles Potenzial im Leben zu nutzen, euch besser zu fühlen und zufrieden zu sein? Nagt etwas an euch, das nicht mehr zu eurem heutigen Leben passt und das ihr gerne loslassen möchtet? Dann schreibt mir. Wie in den Beispielen oben, nehme ich eure Glaubenssätze gerne einmal unter die Lupe. Holt euch einen Perspektivenwechsel. For free und natürlich vertraulich. Interesse? Dann schreibt mir unter kontakt@alles-du.de oder schickt mir eine Nachricht über Facebook oder Xing. Ich freue mich darauf.