Paar

4 typische Phasen einer Paarbeziehung – wie ihr sie erkennt und als Paar meistert

Wozu als Paar über Beziehungsphasen lesen und nachdenken?

Manchmal hilft es, wenn ihr selbst oder als Paar versteht, wo ihr euch in eurer Partnerschaft gerade befindet. Nicht jedes Paar muss jede Phase stringent in derselben Reihenfolge durchlaufen und auch die Verweildauer in der einen und anderen ist individuell – aber Orientierung und Informationen sind wichtig. Besonders wenn es schwierig ist, kann es von Vorteil sein zu wissen, das ihr gerade in einer Phase steckt und diese vorbeigehen kann. Sozusagen ein Licht am Ende des Tunnels, für das ihr euch bewusst entscheiden. Und dafür dient dieser Artikel.

Wie ist es so auf Wolke 7?

Erinnert ihr euch noch oder seid ihr gerade mittendrin? Egal, ob euch der Zufall, euer Freundeskreis oder Parship zusammengebracht hat – dieser Zustand ist herrlich. Schmetterlinge kribbeln vergnügt im Bauch, die Welt dreht sich nur um den anderen, ihr fühlt euch leicht und beflügelt. Ade Welt als Single – willkommen Beziehung. Es könnte gerade nichts Schöneres geben.  Wenn nicht die Alltagsthemen wären, für die ihr gar keinen freien Kopf haben wollt. Das liegt nicht nur an eurem neuen Partner, in den ihr verliebt seid, sondern auch an eurem Körper. Der spielt ein bisschen ‚verrückt‘.

Was da genau passiert? Im Körper kommt es zur vermehrten Ausschüttung von Dopamin, welches beflügelnd wirkt und außerdem zu einem Anstieg an Adrenalin, was zu spontanen, ungewohnten Handlungen verleiten lässt. Und als wäre das nicht genug: Oxytocin kommt ebenfalls noch vermehrt, was wiederum das Verlangen nach dem Partner steigert. Dahingegen signalisiert der Körper kaum Hunger und Durst und ist weniger schmerzempfindlich. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel, bei Frauen steigt er: was das neue Paar quasi eins werden lässt. Verschmelzung und Einheit pur.

Ihr fühlt euch gesehen, was wiederum eure Selbstwahrnehmung stärkt. Ihr fühlt euch geliebt – es könnte immer so bleiben. Dauerhaft kann unser Körper diesen Ausnahmezustand wirklich nicht durchhalten, weshalb die Faszinationsphase gewöhnlich nach 6 bis 9 Monaten abflacht und in die nächste Phase übergeht.

„Oh, das bist alles du?“

Die Zeit der ENT-Täuschung beginnt und das ist gar nicht so schlecht: In dieser Phase lernt ihr euch als Paar besser kennen. Freunde, Familie, Lebensweise, Hobbies, Haustiere und Marotten – alles wird unter die Lupe genommen, Informationen aufgenommen. Und erstmal wird es hauptsächlich betrachtet und, sagen wir, wohlwollend kommentiert. Je mehr ihr euch mit dem auseinandersetzt, was passiert und je offener ihr euch selbst und euren Partner betrachtet, desto größere Chancen hat die Beziehung. Könnt ihr das nicht und lehnt dafür den Großteil der Lebensart des neuen Partners ab – desto schneller ist die Beziehung beendet. Manchmal passiert das. Das Gleiche gilt natürlich auch andersherum: Kann der neue Partner euch mit all dem annehmen, was ihr mitbringt? Will er oder sie das?

Und was signalisiert euch euer Körper? Nach der Faszinationsphase geht der Körper wieder in den Normalzustand über und kann von dort aus neue, differenzierte Signale senden. Vielleicht wird der Magen sauer beim Besuch der ‚Schwiegereltern in spe‘, die Eifersucht meldet sich beim Anblick der besten Freundin des Partners, die Beklemmung im Hals groß beim Gespräch über den nächsten Urlaub oder sich ganz im Gegenteil das Kribbeln immer wieder einstellt, wenn ihr Zeit miteinander verbringt – Hinhören ist hilfreich. Ganz besonders, wenn es in die nächste Phase geht.

Wer bist du denn und warum machst du es nicht so wie ich es sage?

Rummäkeln, nörgeln, sich aufregen. Die schwierigste Phase für jede Beziehung beginnt: die Umerziehungsphase. Ihr kennt es von unseren Eltern, Bekannten, von euch selbst – auch wenn ihr es am liebsten lassen würdet – dann rutscht es euch doch wieder raus: das Nörgeln am Partner, der Wunsch, er oder sie möge dies und jenes so und nicht anders machen. „Meine Welt gegen deine Welt und zwar hier und jetzt und ich bleibe so lange dran, bis du das einsiehst und wenn du es nicht einsiehst, dann wiederhole ich es morgen nochmal.“ Zunehmend werden Revier- und Machtkämpfe ausgetragen. War man sich anfangs der Partnerschaft sicher, fühlt man sich zunehmend unsicher. Ist das wirklich der Mensch, in den ich mich mal verliebt habe?

Und das signalisiert auch euer Körper: Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Schwitzen, erhöhter Blutdruck, Schlaflosigkeit oder Rückzug können an der Tagesordnung stehen. Ständig im Stress zu sein kann auf Dauer krank machen.

Schwierige Phase. Sehr schwierige Phase und manchmal bleiben Paare auch darin hängen und das Nörgeln, Vergleichen und Runterputzen wird zur unliebsamen Dauerschleife. Manche Paare bleiben sehr lange in dieser Phase. Glücklich macht das nicht und es lohnt sich, mehr für sich und den Partner zu wollen und diesen Teufelskreis zu verlassen. Es geht – aber wie?

Ich bin ich. Du bist du. Wir sind wir. Liebe.

Nicht nur in Liebesbeziehungen, aber besonders da ist es von großem Vorteil, wenn ihr den anderen lassen könnt, wie er ist. Es hilft nichts: Solange er oder sie sich nicht aus eigenem Antrieb verändern möchte (oder kann, weil jener oder jene an alte Verhaltensmuster gebunden ist) – habt ihr wenig Chancen auf Veränderung (beim anderen). Dann müsst ihr für euch entscheiden, was für euch das Beste ist. Sich selbst und den anderen zu lieben, die eigenen Grenzen und die des Partners anzuerkennen und zu wahren anzunehmen – das sind Bestandteile einer guten Paarbeziehung. Und das kann man lernen, jeden Tag auf’s Neue. Weil ihr etwas Besonderes seid. Und einen gemeinsamen Weg gehen möchtet. Ohne Machtkampf. Dafür mit Liebe.

Und dann? Was passiert nach der Akzeptanzphase? Vielleicht habt ihr etwas an eurem Partner entdeckt, das ihr noch nicht kanntet … das Vertrauen ist gewachsen … die Schmetterlinge sind wieder da … dann könntet ihr euch vielleicht auch einfach wieder neu ineinander verlieben.

Das geht? Das geht. Sich dem Partner immer wieder zuwenden, etwas Neues entdecken, es annehmen – das geht. Wenn ihr das wollt.

Und welche Probleme tauchen typischerweise in diesen Beziehungsphasen auf?

Beziehungsprobleme sind so vielfältig wie Menschen, die in Beziehung leben. Schauen wir uns ein paar davon zum Abschluss an.

In der Faszinationsphase kommt es vor, dass:

… einer der Partner viel intensiver verliebt ist, als der andere
… einer noch mit den Gefühlen in einer alten Beziehung hängt und nicht frei ist für eine neue Beziehung
… einer sich aus Angst vor Verletzung und Enttäuschung nicht öffnen möchte

In der Kennenlernphase kommt es vor, dass:

… einer sich wirklich nicht mit dem Lebensstil, den Hobbies oder (Achtung) der Familie des anderen anfreunden kann,
… der Partner erwartet, dass ihr euch ihm in allem unterordnet
… alles nur noch gemeinsam gemacht werden soll. Es bleibt zu wenig Freiraum und Konflikte entstehen.

In der Umerziehungsphase kommt es häufig vor, dass:

… alte Konflikte und Konfliktmuster der eigenen Eltern wiederholt werden (Übertragung und Wiederholung)
… der eine sich dauerhaft unterordnet und an Selbstwert verliert. (ebenfalls mögliche Musterwiederholung)

In der Akzeptanzphase kann es dazu kommen, dass:

… die Akzeptanz weiterhin an Bedingungen geknüpft wird (Scheinakzeptanz)
… diese nur eine kurze Friedensphase vor der nächsten Umerziehungsphase ist
… Akzeptanz nur vorgegeben wird und dafür eine Außenbeziehung gesucht wird (Fremdgehen)

In einer Paarbeziehung gibt es keinen Gewinner und Verlierer. Verliert einer, verlieren beide.

Können Paare sich gegenseitig darin begleiten und unterstützen, zu dem zu werden, der und die sie wirklich sind – dann entsteht Liebe, die trägt.
Raum und Zeit für Orientierung in und durch schwierige Phasen findet ihr bei www.alles-du.de