Beziehung geht vor!

Trotz & gerade im Familienalltag

Wo sind Brangelina hin?

Heute morgen überraschte mich die Nachricht, dass sich das Super-Paar getrennt hat. Sie haben mein größtes Mitgefühl, denn es wurde schon immer viel erwartet von ihnen und jetzt stehen sie vor einer neuen Herausforderung – ihrer Trennung und der ganzen, großen, dreckigen Medienschlacht. Aber nochmal von vorn.

Am Anfang standen ‚Mr & Mrs Smith‘: sexy, verliebt, unschlagbar, beflügelnd. – und dann? Alltag, Arbeit, Kinder. Sie scheiternden an ganz normalen Lebensthemen, ganz unspektakulär. Nun sind wir weder Angelina noch Brad – jedoch kennen wir die Verliebtheit am Anfang und die Alltagsthemen  danach und damit verbunden die Frage, wie das geht, eine gute Paarbeziehung. Wie ist das bei Ihnen?

Von nichts kommt nichts.

‚Wenn wir so tun als ob alles in Ordnung ist, dann kommt schon alles in Ordnung.‘ Wirklich? Wir strukturieren alles, damit Beruf und Familie (sofern vorhanden) laufen. Und wo bleibt das Paar und wo bleibt die Beziehung? Wo bleibt die Liebe, die Neugierde, die Lust, das Kribbeln im Bauch, der gute Sex, das Lachen, kleine liebevolle Gesten, zärtliche Momente mit dem Partner? Damals fanden Sie all diese Dinge interessant und anziehend an ihrem Partner. Und heute? Stehen die Kinder im Zentrum von allem – vor oder nach dem Job – und dann ist kein Platz mehr für Paarsein und Zeit für sich selbst? Alles nur eine Phase? Ich habe selbst Nachwuchs und ich weiß, wie schwierig es ist, mehrere Themen miteinander zu vereinbaren. Ich bin weit davon entfernt zu sagen, das geht alles. Es geht nicht alles zu 100%, egal ob wir das gerne möchten oder nicht. Im Job heisst es Leistung bringen, die Kinder sind gerade so gut in einer vertrauenswürdigen Einrichtung untergebracht und dann – stehen wir dann mit unserem Leistungsanspruch vor unserer Beziehung zu unserem Partner oder ist da vielleicht gar nichts mehr übrig und wir legen uns nur noch müde ins Bett?

Von nichts kommt nichts heisst für mich nicht, dass auf der Beziehungsebene ‚auch noch‘ und ’noch mehr‘ geleistet werden soll oder muss. Von nichts kommt nichts heisst für mich- tue ich nichts, dann erhalte ich auch nichts. Investiere ich alle Energie in etwas anderes, dann ist sie eben weg. Oder andersrum: Gebe ich etwas, dann gibt mir das etwas und im besten Fall bekomme ich auch noch etwas zurück. Und die Paarbeziehung ist und bleibt eben das, was uns als Paar durch’s Leben trägt, mit und ohne Kind, mit und ohne Job – warum kümmern wir uns dann häufig so wenig darum?

Schaut hin!

… wenn wegschauen nicht mehr hilft! Klingt einfach, ist es aber nicht. Es braucht Zeit und Geduld und Hinwendung und viel Liebe, um sich selbst und dem Partner in der Beziehung Raum zu geben. Allem voran die Entscheidung, dass sie es wollen. Und – es ist manchmal schon anstrengend genug, sich mit seinen eigenen Themen auseinander zu setzen – und dann auch noch wieder mit dem Themen des Partners? Das war doch am Anfang alles mal so einfach – warum geht das nicht mehr? Das fragen sich viele Paare. Je nachdem, in welcher Beziehungsphase Sie sich befinden, kann es mal leichter und mal schwerer laufen.

Sich für die Paarbeziehung Zeit zu nehmen, das ist ein bisschen so, als ob sie eine Sprache auffrischen, die sie schon lange nicht mehr gesprochen haben. Paare erinnern sich an das, was sie schon mal konnten und lernen zudem Neues hinzu. Am Anfang läuft es holprig, doch irgendwann macht es Spaß und das Paar kann mit dem Beziehungs-Sprachschatz spielen.  Gesten, Mimik, Worte und Handlungen können erfragt und verstanden werden – statt negativ interpretiert zu werden. Eine dauerhaft tragende Paarbeziehung hat demnach viel mit miteinander-reden zu tun.

Vielleicht ist es das, was Brangelina verlernt haben
in ihrem vollen Familienalltag:

das sich-einander-zuwenden,
das Fragen-stellen,
das wieder-finden-wollen.

Ich möchte Ihnen noch ein paar Ideen mitgeben, wie Sie sich als Paar wieder auf die Spur kommen im Alltäglichen und auch eine schwierige Phase überdauern.

10 Anregungen für eine lebendige Beziehung im Familienalltag:

Nr. 1: In was haben Sie sich in ihrem Partner verliebt? Erinnerung beflügelt.

Nr. 2: Was wünschen Sie sich von Ihrem Partner? Klarheit stärkt.

Nr. 3: Was vermissen Sie an Ihrer Beziehung? Sehnsucht reinholen.

Nr. 4: Was würden Sie gerne mit ihrem Partner gemeinsam ausprobieren? Sagen Sie es ihm.

Nr. 5: Was bedeutet für Sie guter Sex? Entdecken Sie ihre Lust neu.

Nr. 6: Welche Alltagsrituale tun uns gut, welche können weg? Seien Sie ehrlich.

Nr. 7: Wo haben Sie Zeit zum Reden über ihre Liebe, ihr Leben, ihren Sex? Einplanen.

Nr. 8: Formulieren Sie Wünsche nicht als Forderungen.

Nr. 9: Bleiben Sie dran – geben Sie nicht auf, nur weil sie unsicher sind.

Nr. 10: Folgen Sie ihrem Bauchgefühl. Probieren Sie es aus!

Und das ist auch das allerwichtigste: Probieren Sie es aus. Finden Sie heraus, was Sie als Paar brauchen – und holen Sie es sich in ihr Leben zurück!

Um es mit einem Zitat von Angelina zu schließen: ‚Wir sind alle nicht gut in Beziehung.‘ – ich sage: Lernen Sie Ihre eigene Beziehungssprache.

Ein Podcast zum Thema Beziehungen: Beziehung zu anderen beginnt mit einer guten Beziehung zu dir selbst