Freunde

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Freundschaften heute.

von Zeit, Mut und einer wichtigen Entscheidung.

Vom vertrautem Glück der Freundschaft.

Kennt ihr das? Ihr besucht einen alten Freund und in euch stellt sich dieses wohlig-warme Gefühl der Vertrautheit ein. Glückliches Glucksen über alte Geschichten und Staunen über Neues. Herrlich. Wohlfühlen. Ganz ihr selbst sein dürfen: ungeschminkt und ungestylt, mit allem, was gerade so da ist.  Weil ihr diesen Menschen schon ganz lange kennt und ihr einander vertraut. Auch nach langer Zeit.

Freundschaft,

das ist eine Seele

in zwei Körpern.

(Aristoteles)

Freundschaften halten manches aus.

Partner kommen und gehen, Freunde begleiten uns durch Eifersucht und Beziehungskrisen. Sie sind neutraler als Eltern und Geschwister und stärken einem den Rücken auch in ganz ausweglosen Situationen. Sie sind Seelenverwandte. Freunde helfen beim Umzug und auch beim nächsten. Oft zumindest. Sie hören sich Zukunftsideen und -sorgen an und bringen ihre eigenen mit. Sie müssen auch einiges aushalten, oh ja. Sie müssen auch mal zurückstecken – können das aber eine Zeit lang, ohne gleich in geschwisterliche Kämpfe um Aufmerksamkeit zu geraten. Sie halten das aus (größtenteils) und das freiwillig – weil man freiwillig eine Bindung eingeht und sich gegenseitig als Freunde gewählt hat. Das hat Kraft und trägt und fühlt sich so vertraut an. Und das machen wir genauso.

Freundschaften verändern sich.

Nichts schien euch zu trennen und dann passiert es doch: eine Freundschaft, die über Jahre intensiv lief und scheinbar unkaputtbar war – vergeht. Doch kaputt. Zu wenig übrig. Wie sich das anfühlt? Ein bisschen wie Liebeskummer – manchmal schwermütig, denn schließlich hat die Freundschaft doch auch so einiges überdauert in eurer Welt und während ein neuer Partner kommt und die Liebe uns leichter beflügelt, kommt das Vertrauen einer Freundschaft nur langsam wieder zurück. Es entstehen viele Fragen und manch eine Antwort bleibt aus.

Und was passiert dann? – Dann hilft die Zeit. Die Erkenntnis, dass sich Freunde weiterentwickelt und auseinanderentwickelt haben – die hilft. Die Erinnerung an eine verflossene Freundschaft darf immer noch schön sein, schliesslich haben sich Freunde durch manche Höhen und Tiefen begleitet und getragen. Und über manchen Quatsch kann man später ebenfalls noch schmunzeln, auch allein. Und dass man einmal eine wirklich gute Freundschaft hatte – das hilft einem auch als Kompass für noch kommende Freundschaften im Leben. Der besondere Platz am Herzen bleibt. Schließlich war der Mensch einmal ein Teil von uns. Und wer weiß schon, was die Zukunft bringt – vielleicht lauft ihr euch irgendwann einmal wieder über den Weg. Oder auch nicht.  Es wird ok sein nach einiger Zeit. So oder so.

Freundschaften brauchen eine Entscheidung.

Früher war es leichter: Nach der Schule hatten wir Zeit ohne Ende (so heisst es ja immer). Zeit, um Freundschaften wachsen zu lassen. Der Extrovertierte hatte ausreichend Zeit für alle seine vielen Freunde und der Introvertierte hatte ausreichend Zeit, um zumindest eine Freundschaft aufzubauen. Und dann – Studium, Ausbildung, der erste Umzug, der zweite, ein neuer Job – der macht erst Spaß und verlangt dann doch unsere ganze Aufmerksamkeit. Die ersten Hobbies gehen flöten, für den Partner haben wir eh schon zu wenig Zeit und mit dem ersten Kind bleibt nur noch spärlich Raum für uns. Beruf und Familie gehen immer vor? Für manchen klingt das etwas überspitzt formuliert, für andere widerum trifft das ziemlich genau die Realität. Wie da noch in Freundschaften investieren?

Hand auf’s Herz: wem nutzt ein vollgestopftes Leben, wenn am Ende keine Zeit mehr für Freundschaften bleibt?  Wenn wir Glück haben, ist von den guten alten Freundschaften noch was übrig … aber diese Freunde wohnen weit weg. Wie schaut es konkret im näheren Umfeld aus: Gibt es da nur die flüchtigen Bekanntschaften, mit denen man ein ‚Hallo‘ austauscht – oder gibt es sie, die richtig gute Freundschaft mit Leib und Seele und mit Tiefgang? Vielleicht ist es an der Zeit, etwa zu verändern, weil es so ohne Freundschaft zwar weitergeht, aber nicht gut weitergeht. Und: es geht. Alles beginnt mit einer Entscheidung: So nicht mehr und dafür wieder mehr vom vertrauten Glück.

Erst mit einer Entscheidung findet die Veränderung statt: das Neusortieren, das Ausprobieren und ein Nicht-zurückschrecken, wenn es anders läuft, wie gewünscht und ein mutiges Tiefgang-suchen, um zu schauen, ob eine Freundschaft trägt. Ja, Freundschaft braucht Zeit, so wie jede gute Beziehung, und verlangt einen kleinen Invest von uns. Und mit wem wollen wir auf unser Leben zurückblicken, wenn wir den hektischen Job hinter uns gelassen, die Kinder ausgezogen und der Partner vielleicht schon nicht mehr da ist? Freunde sind wichtig. Punkt.

Freundschaft braucht Zeit und Mut. Ein Plädoyer.

Freundschaften sind verdammt wichtig. Sie polstern unsere Seele und die des anderen. Wir geben etwas und erhalten gleichzeitig wieder etwas zurück. Einfach so. Ohne Kontoführung. Wir sind Beziehungstierchen und Freundschaften nähren unser Bedürfnis nach Bindung. Sie sind ein Teil von uns: selbstgewählt (wie hoffentlich vieles andere auch im eigenen Leben) und ganz persönlich nur durch und mit uns entstanden. Es braucht Zeit und Mut, sich im Trubel des Alltags etwas mehr als eine Bekanntschaft zu wagen. Tiefgang auszuprobieren und zu schauen, ob etwas zurückkommt. Ob Resonanz entsteht und es sich gut anfühlt wissen wir erst, wenn Schwingung entstanden ist. Manchmal entsteht auch eine Schwingung, die uns nicht gefällt und dann war es trotzdem den Versuch wert – weil wir wieder etwas gelernt haben über uns selbst. Egal wie – was es braucht, das ist eine innere, ganz eigene Entscheidung, der du folgst. Mutig und hoffentlich aus dem Bauch heraus. Ein Ausprobieren, trotz zeitlicher Grenzen, trotz der Angst nicht angenommen zu werden, trotz Verpflichtungen und der Gefahr des Scheiterns. Denn dann – dann läuft es vielleicht doch ganz leicht. Einfach so. Freundschaft eben.

7 Fragen, die dich auf deine Freundschaftsspur bringen:

  • Wann hast du das letzte Mal so richtig herzlich mit einem Freund gelacht?
  • Gibt es etwas, das ein Freund von dir weiß und sonst niemand? Und seid ihr noch befreundet?
  • Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie sehr ist auch dein Partner dein Freund?
  • Wenn du lange keine Zeit mehr mit einem richtig guten Freund verbracht hast: was vermisst du am meisten?
  • Wenn du mal richtig Quatsch machen wölltest, wer wäre dabei?
  • Wovor hast du am meisten Angst, wenn du an deine wirklich wahren Freunde denkst?
  • Und – rufst du heute noch einen Freund an?

Zeit zum Neusortieren, Mut finden und Entscheidungen wagen findest du in meinem Blog und unter:

alles-du.de