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Geborgenheit im Leben

 … und der Spatz unterm Dach.

Geborgenheit im Leben – kennst du dieses Gefühl?

Neulich war ich mit meinem Mann in einem Schwedischen Möbelhaus zum Frühstück und wie wir so dort saßen und uns unterhielten, hörte ich plötzlich leise aber deutlich ein Flügelflattern neben mir. Flog doch ein kleiner Spatz neben unseren Tisch und pickte emsig heruntergefallene Brot- und Brötchenkrumen auf. Leute liefen vorüber und sahen ihn nicht, der Spatz wich flink und wenig aus. ‚Wie clever‘, dachte ich. Er war ganz und gar darauf konzentriert, weiterzupicken. Sich zu nähren und gut für sich zu sorgen. Die wenigsten Passanten sahen den Vogel, am ehesten waren es noch die Kinder, die ihn mit staunenden Augen anblickten und riefen ‚Mama, Papa, ein Vogel!‘. Dann war er wieder weg.

Später entdeckte ich ihn nochmal zwischen den vielen Rohren unter der Raumdecke: er putzte sich und plusterte sein kleines Gefieder auf, war dabei ganz aufmerksam und schaute sich immer und immer wieder um. Wahrscheinlich auf der Suche nach noch einem Leckerbissen zwischen all den Stühlen und Füßen.

Er schien für sich einen richtig guten Platz gefunden zu haben: warm, sicher, mit reichlich Nahrung und – wie ich später noch bemerkte – noch ein paar andern Spatzen – vielleicht seinen Freunden, vielleicht seiner Familie. Welch ein Glück! Er hatte all das, was er brauchte und er war auch nicht allein.

Und auch wenn die ein oder andere Situation etwas brenzlig wurde zwischen den unaufmerksamen Füßen der Passanten, er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Wachsam und flink, agil und trotzdem ruhig machte er das, was für ihn lebenswichtig war und dabei schien es ihm gut zu gehen. Er war an einem geborgenen Ort.

Und wie ich ihn so sah und darüber nachdachte, wie gewitzt dieser kleine Vogel sich genau das holte, was er brauchte und mir damit ein Lächeln aufs Gesicht zauberte.m entschied ich mich genau darüber in meinem Blog zu schreiben, nämlich über Geborgenheit.

Wie geht das eigentlich – Geborgenheit leben?

Wusstest du, dass Geborgenheit zu den Worten gehört, für die es in nur ganz wenigen Sprachen eine Übersetzung gibt? Dieses wunderbare Wort gibt es in Holland und im Afrikaans, es fehlt jedoch in der englischen, französischen, russischen Sprache und auch anderen, wie der slowenischen Sprache. Es ist also etwas ganz Besonderes, diese Geborgenheit, und beschreibt neben Sicherheit und Wohlgefühl auch einen Zustand der Nähe, Wärme, innerer Ruhe und Frieden. Wow, was für ein gutes Gefühl.

Die Erfahrung von Geborgenheit in der Kindheit als eines der wesentlichsten Erfahrungen für die Entwicklung einer stabilen und selbstbewussten Persönlichkeit, sagt man in der Psychologie. Und wer Kinder hat und schon mal mit ihnen unterwegs war kennt das sicher: Kinder spielen nur, wenn sie sich wohlfühlen und wenn sie in Geborgenheit sind. Ist diese nicht gegeben, suchen Sie Halt und Sicherheit bei Ihren Eltern. Und mit etwas Glück finden Sie diese auch bei Ihnen. Und wenn Sie genug Stabilität gefunden haben, dann gehen sie auch wieder selbstbewusst ins Spielen. Und später eben auch in ihr eigenes Leben.

Geborgenheit im Leben – Geborgenheit in dir

Was sagt uns das über uns selbst? Wie bei vielen anderen Emotionen und Befindlichkeiten spielt es auch hier eine wesentliche Rolle, was du in Bezug auf Geborgenheit in deinem Leben erfahren hast. Lass die folgenden Fragen einfach mal durch den Kopf gehen:

  • Bei wem hast du dich als Kind besonders geborgen gefühlt?
  • Was musstest du alles tun oder leisten, um Geborgenheit zu erhalten – oder wurde sie frei verschenkt?
  • Wohin hast du dich zurückgezogen, wenn du dich unsicher oder instabil gefühlt hast und dir selbst Geborgenheit geschaffen hast?
  • Wenn du heute einen Wunsch frei hättest in Bezug auf Geborgenheit – was wäre der und was könntest du selbst für dessen Umsetzung tun?

Wenn du dich in dir selbst geborgen fühlst, also wohl, sicher, warm, ruhig, dann kannst du auch so in die Welt hinausgehen. Klingt logisch, oder? Wurde dir wenig Geborgenheit geschenkt – sei es, weil deine Eltern selbst wenig nährende Geborgenheit erlebt haben und das auch nicht weitergeben konnten oder du gesellschaftlich unruhige Zeiten erlebt hast – dann ist es manchmal gar nicht so leicht, sich selbst ein gutes und stabiles, geborgenes Ich-Gefühl zu schaffen. Aber es ist möglich!

Trainiere deine Selbstwahrnehmung – sie ist die Basis für deine Gefühle und auch für Geborgenheit! Was brauchst du, um dich geborgen zu fühlen? Oder fangen wir damit an: kannst du genau jetzt sagen, wie es dir geht? Was spürst du in dir, wie fühlt sich dein Körper an: Bist du ruhig oder müde, aufgeregt oder hungrig, ist dir warm oder zieht es irgendwo, erlebst du Trubel um dich oder Stille? Und wie wirkt das auch dich – was brauchst du, um dich geborgen zu fühlen? Wenn du eine Spur gefunden hast, dann folge ihr – unbeirrt, so wie der kleine Spatz, der sich einen Brotkrumen nach dem anderen sucht und sich selbst nährt und dabei auch wachsam genug ist, um sich im Zweifelsfall an einen geborgenen Ort zurückzuziehen.

Dein persönlicher Ort der Geborgenheit – Innen und Außen

Manchmal, wenn ich mit Klienten arbeite, dann ist es wichtig, einen imaginären, sicheren Ort zu schaffen. Diesen Ort kennt dann nur dieser Mensch und er kennt ihn ganz genau: Er oder sie entscheidet, wo dieser Ort ist, wie er aussieht und was sich darin befindet und auch, ob er real existiert oder nur in seiner Fantasie. Manchmal ist es ein Ort aus der Kindheit, manchmal ist es eine Idee oder Fantasie aus einem Buch, für manche Menschen ist es ein religiöser Ort, ein Ort des Glaubens, der Ihnen Geborgenheit gibt und für andere wiederum ist es der eigene Vorgarten. Wichtig ist, dass man sich diesen Ort so gut und vollständig und gefühlvoll geborgen vorstellt, wie nur möglich. Und wenn dieser Ort dann in der Vorstellung schon so richtig gut da ist, frage ich weiterhin, wo dieser imaginäre Ort der Geborgenheit in der Person verankert ist.

Wo fühlst du am ehesten Geborgenheit in deinem Körper? Vielleicht hast du ja Lust es selbst mal auszuprobieren: Wo könntest du diesem imaginären, geborgenen Ort einen guten Platz geben und ihn in deinem Körper verankern? Das ist deshalb so wichtig, weil du so zum einen über deine Vorstellung als auch über den Körper in einem unsicheren Moment diesen imaginären Ort der Geborgenheit besuchen kann, dort Kraft tanken und neu Hoffnung schöpfen kannst und ganz viel Stabilität und Selbstbewusstsein, um wieder raus zu gehen in die Welt. Das hat ganz viel Kraft – und Selbstwirksamkeit. Wunderschön, oder?

Mit der Fantasie und dem Körper zu arbeiten, das sind zwei wichtige und stärkende Möglichkeiten, einen Ort der Geborgenheit zu schaffen. Und dasselbe funktioniert natürlich auch in der realen Welt: Hast du einen Ort der Geborgenheit? Ist es deine Wohnung oder ein besonderer Platz in der Natur? Ist jemand dabei oder bist du dort ganz mit dir selbst geborgen? Welche Farben, Geräusche, Gerüche gibt es dort, wie sieht dieser Ort aus und wie fühlt er sich an? Und – wann warst du zuletzt dort?

Ob imaginärer oder realer Ort der Geborgenheit: Wichtig ist, dass du einen hast und dich dorthin zurückziehen kannst, wenn du es brauchst – zum Krafttanken, zum Hoffnung schöpfen, zum Wohlfühlen. Ähnlich wie der kleine Spatz, der sich bei all dem Trubel zwischen den Füßen der Passanten zurückzieht auf seinen warmen, sicheren Platz auf einem stabilen Ausgangspunkt unter dem Dach.

Geborgenheit leben – mit anderen

Fühlst du dich auch mit anderen Menschen geborgen? Wer ist dein Lieblingsmensch oder wer sind deine Lieblingsmenschen, bei denen du dich geborgen fühlst? Wo spürst du Geborgenheit in deinem Körper, wenn du mit anderen Menschen zusammen bist? Eine gute Prüfmöglichkeit für dich selbst in Bezug auf die Menschen, mit denen du dich umgibst, ist: Wenn du von einem Freund oder einer Freundin weggehst – freust du dich auf ein Wiedersehen? Hat dir das Gespräch gut getan und möchtest du ‚mehr davon‘, weil es dich nährt und dir Wärme und Vertrauen gibt und dich  sicher  fühlen lässt? Vertraue deinem Gespür, wenn es darum geht zu entscheiden, ob du dich mit jemandem geborgen und sicher und warm und genährt fühlst und verbringe viel Zeit mit eben diesen Menschen. Sie tun dir gut und dann kannst du auch Gutes weitergeben.

Geborgenheit teilen

„Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren“, soll Albert Schweitzer einmal gesagt haben, und so ist es wohl auch. Denn wenn du dich selbst mit Geborgenheit nährst, also in Bezug auf dich selbst, einem Ort der Geborgenheit im Inneren und im Äußeren und dich auch noch mit Menschen umgibst, mit denen du dich geborgen fühlst, dann kannst du dieses Gefühl und diesen Zustand auch an andere weitergeben – sozusagen etwas davon raus in die Welt schicken. Dann erschaffst du dieses gute Gefühl nicht nur für dich, sondern gibst davon etwas an dein Umfeld zurück. Damit schliesst sich ein Kreislauf, schön, oder?

Vielleicht klingt es für den ein oder anderen zu einfach, zu simpel  – und das ist das Schöne, es ist eigentlich auch simpel. Der Weg zur Geborgenheit – dem aus dir selbst heraus entstehen lassen können Mit-anderen-Leben und letztendlich dem Nach-Außen-Geben – klingt überschaubar – wunderschön! Folge deinem inneren Kompass und hol dir genau das ins Leben, was du brauchst, um in Geborgenheit zu leben. So wie der Spatz es macht, der sich das holt, was er braucht und für sich einen  guten Platz gefunden hat unter dem Dach eines schwedischen Möbelhauses und diesen Platz sogar mit anderen teilt.

Ich wünsche dir ganz viel Vertrauen in dein eigenes Gespür & in deine Fähigkeit, dir deinen eigenen Anker der Geborgenheit zu schaffen und ganz viel Mut auf deinem Weg!

Du findest meine Praxis in: Altdorf bei Nürnberg und Nürnberg

Was meine Klienten über die Arbeit mit mir sagen, liest du hier und meinen Podcast findest du unter ‚Raus aus der Krise‘.

 

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  1. […] Eine andere Folge zum Thema Mut findet ihr unter diesem Link und einen Blogbeitrag zum Thema ‚Geborgenheit‘ findet ihr auf dieser Seite. […]

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